
Nach dem Fund in Mackenbach meldet Rheinland-Pfalz weitere Fälle präparierter Halloween-Süßigkeiten. Die Polizei prüft Zusammenhänge und appelliert an Eltern.
Kaiserslautern – Nach dem Fund eines Metallnagels in einer Halloween-Süßigkeit in Mackenbach sind in Rheinland-Pfalz weitere ähnliche Vorfälle bekannt geworden. Das Innenministerium bestätigte mehrere Fälle in verschiedenen Landkreisen. Die Polizei prüft, ob zwischen den einzelnen Funden ein Zusammenhang besteht.
Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, wurden nach Angaben des Innenministeriums Rheinland-Pfalz in Mackenbach im Landkreis Kaiserslautern, in Lünebach im Eifelkreis Bitburg-Prüm, in Hermeskeil im Landkreis Trier-Saarburg sowie in Ludwigshafen Metallteile in gesammelten Fruchtgummis und Schokoriegeln entdeckt. Über den ursprünglichen Fall in Mackenbach, bei dem ein neunjähriger Junge einen Metallnagel in einer Süßigkeit fand, hatte Antenne Kaiserslautern in einem früheren Beitrag berichtet. Nach bisherigem Kenntnisstand wurde in keinem der bekannten Fälle in Rheinland-Pfalz jemand verletzt.
Die zuständigen Polizeidienststellen haben nach Angaben des Innenministeriums Ermittlungen aufgenommen, um die Hintergründe der einzelnen Vorfälle aufzuklären. Dabei werde auch geprüft, ob zwischen den Funden ein Zusammenhang bestehe. Gesicherte Erkenntnisse, die auf eine systematische oder landesweit koordinierte Vorgehensweise schließen ließen, gebe es bislang nicht, teilte das Ministerium mit.
In Dörrenbach im Landkreis Südliche Weinstraße entdeckte ein elfjähriges Mädchen nach Polizeiangaben eine Nähnadel in einem Schokoriegel. Nachdem das Mädchen von Metallteilen in Süßigkeiten erfahren hatte, untersuchte es die eigene Ausbeute mit einem Magneten und stieß dabei auf die Nadel.
In Westheim im Landkreis Germersheim fanden zwei Mädchen im Alter von neun und zwölf Jahren einen Nagel sowie eine Tackernadel in Kaubonbons. Die Polizei ermittelt in diesem Fall wegen des Verdachts der versuchten gefährlichen Körperverletzung. Die Herkunft der Süßigkeiten und mögliche Zusammenhänge mit anderen Fällen waren zunächst unklar.
In Ludwigshafen teilte eine 29 Jahre alte Frau der Polizei mit, dass sie in einem am Halloween-Abend gesammelten Schokoriegel einen Nagel gefunden habe.
Nicht jeder verdächtige Fund geht jedoch auf eine Manipulation zurück. In Appenheim im Landkreis Mainz-Bingen waren zunächst zwei kleine Magnete an einem Kaubonbon entdeckt worden. Im Zuge der Ermittlungen stellte sich heraus, dass keine Manipulation durch Dritte vorlag. Die Magnete seien offenbar erst im Haushalt der betroffenen Familie an das Bonbon gelangt.
Wie der Tagesspiegel berichtet, wurden seit der Halloween-Nacht bundesweit zahlreiche Fälle gemeldet. Betroffen waren demnach Brandenburg, Thüringen, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein. Dabei wurden Süßigkeiten mit Nadeln, Nägeln, Schrauben und anderen Metallteilen präpariert.
Nach Angaben der Polizei wurden in mehreren Fällen auch Kinder verletzt. In Neustadt-Glewe im Landkreis Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern zog sich ein Kind durch eine versteckte Nadel leichte Verletzungen im Mundbereich zu. Zuvor war bereits ein neunjähriges Mädchen in Niedersachsen durch einen manipulierten Schokoriegel an der Zunge verletzt worden.
Auch im europäischen Ausland wurden ähnliche Vorfälle bekannt. Wie der Tagesspiegel weiter berichtet, meldeten Behörden in Österreich mehrere Fälle von Süßigkeiten mit kleinen Metallobjekten, bei denen ein Mädchen leicht verletzt wurde. Im Bundeskriminalamt in Wien wurde eine eigene Ermittlungseinheit eingerichtet, die mit Europol und deutschen Behörden in Kontakt steht. Weitere Berichte zu manipulierten Süßigkeiten kamen aus Irland, Dänemark, Norwegen und Ungarn.
Der österreichische Innenminister Gerhard Karner erklärte laut Tagesspiegel, man werde alles Mögliche tun, um die Vorfälle aufzuklären. Der Ermittlungschef des österreichischen Bundeskriminalamtes, Gerald Tatzgern, sagte, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sich Täter im Internet oder in sozialen Medien vernetzt hätten. Europol erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, das Phänomen präparierter Süßigkeiten sei grundsätzlich bekannt. Eine neue Taskforce werde zwar nicht eingerichtet, Anfragen nationaler Behörden würden aber im Rahmen eines bestehenden Projekts unterstützt.
Für den Landkreis Kaiserslautern und die Westpfalz bedeutet die Häufung der Fälle, dass die Polizei die Ermittlungen in mehreren Bundesländern und Staaten parallel vorantreibt. Ob die Vorfälle in Mackenbach und weiteren rheinland-pfälzischen Orten mit Fällen in anderen Regionen oder im Ausland zusammenhängen, ist nach aktuellem Stand weiterhin ungeklärt. Das Innenministerium betonte, dass bislang keine Hinweise auf eine koordinierte Vorgehensweise vorliegen.
Das Innenministerium rät Eltern weiterhin dazu, die gesammelten Süßigkeiten ihrer Kinder vor dem Verzehr sorgfältig zu kontrollieren. Insbesondere beschädigte oder bereits geöffnete Verpackungen sowie ungewöhnliche Veränderungen am Inhalt sollten aufmerksam geprüft werden. Verdächtige Süßigkeiten sollten nicht gegessen, sondern samt Verpackung aufbewahrt und der Polizei gemeldet werden. Fremdkörper sollten dabei nach Empfehlung der Polizei nicht selbst entfernt werden, um mögliche Spuren zu sichern.
Zugleich appellierte das Ministerium an einen besonnenen Umgang mit entsprechenden Warnungen. Die ungeprüfte Verbreitung von Meldungen in sozialen Medien oder privaten Chatgruppen könne unnötige Ängste schüren. Die Polizei werde die Ermittlungen fortführen und die Öffentlichkeit informieren, sollten sich neue Erkenntnisse oder konkrete Gefahrenhinweise ergeben.
Die Ermittlungen in Rheinland-Pfalz sowie in den übrigen betroffenen Bundesländern und Staaten dauern an. Weitere Details zu möglichen Zusammenhängen zwischen den einzelnen Fällen sollen in den kommenden Tagen folgen, sofern sich neue Erkenntnisse ergeben.






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